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Der Ortsverein Syburg/Buchholz 1894 - 2014

Ursprünglich wurden erste Anzeichen von Sozialdemokratie im 1864 gegründeten Männergesangsverein Hohensyburg vermutet. Da aber das Protokollbuch erst mit dem Jahr 1905 einsetzt und etwaige Vorgänger verschollen sind, konnte hiermit kein Beweis für die Gründung oder das Wirken eines sozialdemokratischen Vereins gefunden werden. Erst das Protokollbuch des Turnvereins "Wittekind" Hohensyburg, gegründet 1893 und aufgelöst 1933, das die NS-Zeit überdauert hat, brachte diesen Beweis.


Männergesangverein Hohensyburg
Vermutete sozialdemokratische Keimzelle (Aufnahme von 1921)

In § 1 (s. Abb.) sind als Folge der Bismarkschen Gesetze alle politischen Bestrebungen ausgeschlossen, aber man kann bei den Namen des Vorstandes und der Mitglieder deren sozialdemokratische Gesinnung vermuten, da deren Nachfahren bis heute SPD Mitglieder sind.

Am 26. August 1894 wurde erstmalig ein Mitglied dieses Turnvereins als "Genosse" bezeichnet (s. Abb.) und der so Genannte war noch 1904 ein Mitglied der SPD.

Nachfolgende Wahlergebnisse bringen den weiteren Beweis:
Reichstagswahl 16. Juni 1898
Einwohner: 711, Wähler: 157
Nationalliberale: 37; Freis. Volkspartei: 3; Zentrum: 6; Sozialdemokraten:78.
Reichstagswahl 12. Januar 1912
Einwohner: 746, Wähler: 156
Nationalliberale: 40; Christlichsoziale: 1; Zentrum: 3; Sozialdemokraten:92.

Im Jahre 1904wurde durch Heinrich Kuhlmann ein Bergarbeiter-Verband, Ortsverein Syburg, gegründet, dessen sämtliche Unterlagen 1933 von seinem Gründer und dessen Neffen, Willi Kuhlmann, verbrannt werden mussten.

Die weitere Entwicklung der SPD in Syburg nach ihrer Gründung 1894 und nach ihren Wahlerfolgen lässt sich nicht stichhaltig darstellen, da keine schriftlichen Unterlagen vorliegen. So sind beispielsweise aus dem Protokollbuch des Turnvereins alle Seiten nach dem 9. Januar 1921 herausgerissen.

Die jeweiligen Vorsitzenden ließen sich bis in das Jahr 1930 nicht eruieren; von da an führte Alfred Mark als Erster Vorsitzender die SPD in Syburg an. Er musste dafür 1933 seine Beschäftigung bei der Reichsbahn aufgeben und war gemeinsam mit einigen Mitgliedern einer ständigen Kontrolle durch NS-Behörden ausgesetzt. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die sozialdemokratische Parteiarbeit unter dem Vorsitz von Alfred Mark fortgesetzt.


Der Ortsverein Dortmund-Syburg von 1950 bis heute

Betrachtet man die Geschichte eines SPD Ortsvereins, so stellt man schnell fest, welche Aufgaben einem solchen als dem "untersten" und "basisnächstem" Bestandteil einer organisierten Partei zukommen: die Verbesserung der konkreten Arbeits- und Lebensverhältnisse der Bewohner des Ortes.

Die Politik eines Ortsvereins befasst sich so mit Fragen, Problemen und Vorschlägen der Bürger, die durch die "Brille der großen Politik" unwichtig erscheinen. Aber diese Nähe bedeutet, dass Politik in einem Ortsverein - vielleicht eher als auf anderen Parteiebenen - eine besondere Form der zwischenmenschlichen Kommunikation darstellt. Die Mitglieder eines Ortsvereins und die Bürger, deren Interessen dort vertreten werden, sind direkte oder indirekte Nachbarn und sind vielleicht sogar Freunde. Diese Charakteristik trifft natürlich besonders auf vergleichsweise kleine Ortsvereine zu.

In den Jahren von 1950 bis heute hat sich die SPD in Syburg/Buchholz durchgehend mit Problemen beschäftigt, die den Ortsbewohnern "auf den Nägeln brannten".
Ein wichtiger Bereich war dabei das Verkehrswesen: Galt es beispielsweise für Straßenbeleuchtung, für Geschwindigkeitsbegrenzungen, für verbesserte Busverbindungen oder für die Einrichtung von Parkplätzen zu sorgen, so waren dies Anliegen der SPD in Syburg/Buchholz. Oder wenn eine vernünftige Expansion des Ortes zu forcieren war, aber dabei der Naherholungswert nicht außer acht gelassen werden durfte, so setzte man sich im SPD Ortsverein an entsprechender Stelle dafür ein.

Unter dem Vorsitz von Alfred Mark setzte im Herbst 1959 die Bebauung in Hohensyburg ein, mit der man sich zu einem größeren Dorf und später zu einem Ort entwickelte. Die SPD Syburg beschloss am 24. Oktober 1959 eine Bürgerversammlung zu veranstalten, auf der alle für die Bebauung wichtigen Fragen besprochen wurden: Straßen- und Verkehrsplanungen, Kanalnetz, Ausschreibung von neuem Siedlungsbauland u. a. Der Stolz auf die dabei erreichten Ziele zeigte sich beim Bundestagswahlkampf 1961, als man in Syburg für die SPD werben konnte mit dem Plakat "Wer hier baut, verdankt es der SPD". So konnte die SPD in Syburg einen Wahlerfolg verbuchen (Erststimmen: SPD 331, CDU 198, FDP 86; Zweitstimmen: SPD 309, CDU 190, FDP 101).
Alfred Mark trat 1970 den Vorsitz an Heinz Breker ab und wurde danach zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Ab 1973 beschäftigte sich der SPD Ortsverein mit der anstehenden kommunalen Neuordnung in Nordrhein-Westfalen. So ließ man sich im März und Mai 1973 durch Referate sachkompetenter Genossen, Helmut Weikert (MdL) und Dr. Fritz Bergmann (MdL), über die geplanten Neuregelungen informieren, um anschließend über Fragen und Probleme, die im Zuge dieser Neuordnung zu erwarten waren, zu diskutieren.
Am 1. Januar 1975 trat die kommunale Neuordnung in Kraft und damit wurde der SPD Ortsverein um die Mitglieder aus Buchholz verstärkt (9 Mitglieder). Am 27. Juni 1977 beschloss der Ortsverein auf einer Mitgliederversarnmlung statt "Syburg" nun den Namen "Syburg/Buchholz" zu tragen.
Am 20. Januar 1976 wurde Heinz Köstermeyer zum Ersten Vorsitzenden gewählt. In der weiteren Folge der Ersten Vorsitzenden löste Helmut Blechert 1990 Heinz Köstermeyer ab. Als Helmut Blechert sich 1992 aus gesundheitlichen Gründen nicht wiederwählen ließ, wurde Uwe Petrol Vorsitzender des Ortsvereins. 1993 legte Uwe Petrol das Amt nieder und bis zum Frühjahr 1994 leiteten Helmut Blechert und Dorothee Gutierrez Blanco kommisarisch den Ortsverein. Von 1994 bis 2004 lenkte Klaus Sievert als Vorsitzender die Geschicke des Ortsvereins. Zur großen Bestürzung aller Ortsvereinsmitglieder verstarb Klaus Sievert am 1. April 2004 plötzlich und unerwartet im Alter von 64 Jahren. Seit Juli 2004 amtiert Sascha Hillgeris als Vorsitzender des Ortsvereins.

In den Jahren 1976 und 1977 kam es zu Gründungen einer Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (AsF) und einer Juso-Arbeitsgemeinschaft. Eine Partnerschaft mit einem anderen SPD Ortsverein wurde im gleichen Zeitraum angestrebt. Es handelte sich dabei um den SPD Ortsverein Olfen (Münsterland). Im April und September 1978 kam es zu gegenseitigen Besuchen der Ortsvereine.
Mit dem Beginn der 80er Jahre wurde die lokale Politik durch die Planungen zum Bau einer Spielbank in Hohensyburg bestimmt. Im Herbst 1981 finden sich in den Versammlungsprotokollen erste Hinweise auf die Pläne über ein Spielcasino in Hohensyburg. Bis zur Aufnahme des Spielbetriebs befasste sich die SPD Syburg/Buchholz mit den baulichen Veränderungen des Ortes und den eventuell entstehenden Problemen für seine Bürger. Aber auch die grundsätzliche Frage, ob in Syburg eine Spielbank errichtet werden soll, fand, wie bei den Ortsbewohnern, innerhalb des Ortsvereins Befürworter und Gegner. Nachdem die Entscheidung für den Bau der Spielbank von seiten des Landes und der Stadt Dortrnund gefallen war, galt es für den Ortsverein der SPD die Veränderungen des Ortes im Sinne der Bewohner positiv zu beeinflussen. So war die Gewährleistung der traditionellen Pfingstkirmes ein geringeres Problem im Vergleich zu dem gestiegenen Verkehrsaufkommen. Lange über die Eröffnung des Casinos hinaus war die SPD Syburg/Buchholz z. B. darum bemüht, daß für die Casino-Besucher genügend Parkraum geschaffen wurde, um die Wohngebiete im Ort von "Fremdparkern" freihalten zu können. Nach der jetzigen Betriebszeit der Spielbank lässt sich wohl resümieren, dass alle Beteiligten einen gangbaren Weg des Miteinander,gefunden haben.

Wenn zu Beginn des Kapitels gesagt wurde, daß im Ortsverein Syburg/Buchholz vorwiegend lokale Politik vollzogen wurde, so heißt das allerdings nicht, dass man hier von bundes- oder landespolitischen Themen oder Debatten unberührt geblieben wäre.

Im Verlauf der 1950er Jahre waren z. B. die Frage nach der Einführung der Bundeswehr und die atomare Bewaffnung auch in Syburg diskutierte Themen. Schließlich waren auch eigene Genossen vom Wehrdienst betroffen und man beschloss sie in dieser Zeit besonders zu unterstützen.

Auf mehreren Versammlungen wurden Referenten zu diesen Themen gehört: so z. B. Fritz Henßler am 22. März 1953 über "Die Wiederaufrüstung und ihre Folgen". Im Januar 1955 beschloss man an einer Kundgebung in der Dortmunder Westfalenhalle gegen die Einführung einer Wehr teilzunehmen, auf der der damalige Parteivorsitzende Erich Ollenhauer sprach. Als am Ende der 50er Jahre die Frage einer Atombewaffnung der BRD mit einem "Anti-Aktionsprogramm" der SPD beantwortet wurde, diskutierte im April 1958 der SPD Ortsverein Syburg eine Volksbefragung in Dortmund nach dem Beispiel Frankfurts vom März 1958.

Mit dem Beginn der 60er Jahre wurde in Syburg der Trend der SPD zu einer Volkspartei registriert und gestützt. So besuchte man einerseits am 8. September 1961 in Dortmund eine Großkundgebung der SPD mit ihrem Kanzlerkandidaten Brandt und veranstaltete andererseits eine öffentliche Wahlveranstaltung auf der der Bundestagskandidat Willi Beuster über die aktuelle Regierungs- und Oppositionspolitik sprach.
Über das Funktionieren der Großen Koalition befragte man auf der Jahreshauptversanunlung am 3. Februar 1967 Heinrich Stephan (MdB) und ließ sich auch über einzelne Kabinettsmitglieder berichten: Wirtschaftsminister Karl Schiller und Finanzminister Franz-Josef Strauß, der "als Minister ungefährlicher sei, als wenn er sich in der Opposition befände". (Protokollbuch der SPD Ortsgruppe Dortmund-Syburg, S. 101).

Die "wilden" Jahre der 68er Studentenrevolte und ihre Folgen riefen erst ab 1970 einige verhaltene Reaktionen des SPD Ortsvereins hervor. Nachdem eine Juso-Delegation sich im Juni 1970 von Walter Ulbricht empfangen ließ, formulierte am 30. Juli 1970 der SPD Ortsverein Syburg hierüber seine Kritik. Und der Extremistenbeschluss der Ministerpräsidenten (Berufsverbote für Kommunisten) wurde mit dem Hinweis vom 6. August 1973 abgelehnt, dass bestehende Gesetze ausreichend seien.

Schon recht früh im bundesrepublikanischen Vergleich beachtete man in der Syburger SPD bei diversen Entwicklungen die ökologischen Folgen, so z. B. als ab 1973 der Bau des Kraftwerkes am Hengsteysee oder die zunehmende Belastung der Lenne durch Industrieabwässer mehrmals besprochen wurden.

Fügt man noch die Diskussion über schulpolitische Themen, wie über das Schulmitwirkungsgesetz am 16. Mai 1978, oder die Kritik an der Hausbesetzung des Heidehofes in Dortmund vom 12. August 1982 hinzu, so ergibt sich ein geschlossenes Bild des SPD Ortsvereins Syburg/Buchholz.

Man hat sich in den,Jahren des Bestehens des SPD Syburg/Buchholz in diesem relativ kleinen Kreis mit politischen Fragen und Entscheidungen beschäftigt, die meistens im lokalen Bereich lagen, aber man hat auch jede wichtige landes- oder bundespolitische Diskussion verfolgt und gegebenenfalls darauf reagiert.

Aber dieses Bild wäre noch unvollständig, wenn eine wichtige Tradition der SPD unerwähnt bliebe: die alljährlichen Maifeiern, bei denen man unter Beweis stellen kann, daß ein politisch engagierter Mensch über aller Ernsthaftigkeit niemals die Freude an Freizeit und Feier verlieren darf. Dies galt bereits 1950 ebenso wie heute.
In diesem Jahr veranstaltete der Ortsverein am 30. April zum bereits zehnten Mal das Open-Air Konzert "Rock in den Ruinen". 1995 geboren als Beitrag zum Landtagswahlkampf hat sich dieses Konzert mit seinen jährlich mehreren Tausend Besuchern einen festen Platz in der Dortmunder Kulturszene erobert. Nach den fürchterlichen Ereignissen in Duisburg während der "Love Parade" wurden die ordnungsbehördlichen Sicherheitsvorschriften derart erhöht, dass diese Veranstaltung nicht mehr auf dem Syberg stattfinden konnte.

Jedoch wurde für diese Leistung der Ortsverein Syburg/Buchholz beim Bundesparteitag in Berlin 1999 vom Parteivorsitzenden und Bundeskanzler Gerhard Schröder ausgezeichnet.


v.L. Doris Schröder-Köpf, Sascha Hillgeris, Gerhard Schröder, Klaus Sievert
und Jochen Wilms (Jusos Stadtbezirk Hörde)

Dies war die zweite Teilnahme an der, anlässlich von Bundesparteitagen organisierten, Ausstellung "Der Lebendige Ortsverein", deren Höhepunkt jeweils die Vergabe des "Wilhelm-Dröscher-Preises" ist.
Im Jahr 2005 vertrat der Ortsverein dann noch einmal die Dortmunder Sozialdemokratie beim Dröscherpreis mit dem "Syburger Patenschaftsprogramm für Jugendliche".
Somit ist der kleine Ortsverein Syburg/Buchholz einer der wenigen Ortsvereine (wenn nicht sogar der Einzige), die es geschafft hat, dreimal zu dieser Ausstellung eingeladen worden zu sein (Hannover 97, Berlin 99 und Karlsruhe 2005).


Die Parteigeschichte von Buchholz

Durch verwandtschaftliche Beziehungen zu Syburg und die Zugehörigkeit zu Syburger Vereinen, auch zu dem Turnverein "Wittekind Hohensyburg", und durch die im Protokollbuch vorhandenen Namen von Buchholzer Einwohnern sind die Anfänge der Sozialdemokratie auf dem Buchholz den Syburgern gleichzusetzen.
Eine erhebliche Änderung trat jedoch nach 1919 ein, denn soweit überliefert, lag der Anteil der KPD bei den Wahlen von 1928-1933 bei über 90 %. Es wurde in Buchholz eine KPD-Zeitschrift herausgegeben mit dem Namen "Die Bombe". Verantwortlich für deren Inhalt nebst Druck und Verlag war August Möller aus Buchholz, Kreisstraße. (Ein unvollständiges Exemplar hat die NS-Zeit überdauert.) August Möller mußte u. a. dafür in ein Konzentrationslager, überlebte und war nach 1945 zeitweise Bürgermeister in Westhofen. Die große Anhängerschaft der KPD in Buchholz zeigt sich auch in Wahlergebnissen aus der Nachkriegszeit: Erste Kommunalwahl nach 1945: SPD = 85, KPD = 84 Stimmen.

Von 1945 bis 1974 waren die Buchholzer Mitglieder im SPD Ortsverein Westhofen mit durchschnittlich 15 Personen. Ihr Sprecher war lange Zeit Gustav Schumacher, der von 1969 bis 1974 ein Mitglied der Stadtvertretung in Westhofen war.
Mit der kommunalen Neuordnung in Nordrhein-Westfalen am 1. Januar 1975 und der Angliederung an die Stadt Dortmund traten die Buchholzer SPD-Mitglieder dem Ortsverein Syburg bei, aus dem dann der Ortsverein Syburg/Buchholz hervorging.