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Ein Spaziergang durch Hohensyburg

Um den Dortmunder Vorort Syburg kennenzulernen, begibt man sich am besten zu Fuß auf Erkundungstour.
Im Folgenden ist ein kleiner Rundweg beschrieben, der einen weiten Bogen von Historie zur Moderne schlägt.
Oberhalb der im Hengsteysee aufgestauten Ruhr, etwa 800 Meter nordwestlich der Mündung der Lenne, erhebt sich die Hohensyburg fast 96 Meter über den Ruhr- und 244 Meter über den Meeresspiegel. - Steinzeitliche Funde belegen die frühe Anwesenheit des Menschen im Syburger Raum, und erste Siedlungsspuren führen in die Bronzezeit um etwa 800 v. Chr. Die Eroberung der sächsischen Sigiburg auf dem Burgberg im Jahre 775 ist die älteste historische Nachricht aus dem Raum der heutigen Großstadt Dortmund, in die die Landgemeinde Syburg 1928 eingemeindet wurde.


Syburg: Rekonstruktion der mittelalterlichen Burg

Syburg lebte traditionell von der Landwirtschaft, vom Handwerk, von seinen Steinbrüchen und von der Steinkohle, die am Ort zutage tritt. Zunehmende Bedeutung hatte die Gastronomie für den Ort, der seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts vermehrt von Erholungssuchenden und Touristen aufgesucht wird. Die Spielbank, ein nahegelegener Golfplatz, zwei Minigolfanlagen, der Campingplatz und die Naturbühne sind vielbesuchte Freizeiteinrichtungen. Zuerst aber faszinierte die mittelalterliche Burg die Besucher: "Die Ruinen des Schlosses zu Hohensyburg liegen in einem fast undurchdringlichen Dickigt von Dornen, Flieder, zu Schlagholz gezogenen, struppichten Hainbuchen, von Geißblatt, Brombeeren, Winde und andern Rankengewächsen verschlungen. Diese bedecken den Boden der Gräber, der Wälle, der Höfe und das Innere der ehemaligen, jetzt über einander gestürzten Gebäude. Zu manchem ist der Zugang fast unmöglich, und zu allen äußerst beschwerlich. Es gehört schon Behendigkeit dazu, um, ohne zu fallen, den holperichten, engen Fußsteig, der zu diesem Gemäuer führt, zurück zu legen." So beschreibt Johann Friedrich Möller d. J., "Prediger des Stifts und der evangelischen Gemeine zu Elsey" 1804 die Syburg. "Auf öder Halde steht das Dorf Syburg... durch die alte Kirche inmitten kleiner Grabsteine pfeift leise der Zugwind, drinnen nichts als Leichensteine, Sterbewappen und das Todtengeläute der Zeit..." so klagt Levin Schücking im "...malerischen und romantischen Westfalen". Der Wanderer von heute wird dies wohl ebensowenig nachfühlen können wie Karl Rübels Loblied des Jahres 1901: "Die unscheinbaren Trümmer der Sachsenburg aber wie die malerischen Ruinen der Siburg fügen sich prächtig dem neuen friedlichen Gesamtbilde ein, das mit dem Vincketurm und nunmehr mit dem Denkmale Kaiser Wilhelms I. einen gleich prächtigen Abschluss der malerischen Umgebung bildet". Wer heute zu Fuß den Burgberg besteigt und dies nicht in aller Frühe im Morgennebel unternimmt, wird konfrontiert mit dem Autoverkehr, dem Spielbankgetriebe und häufig auch mit Menschen, die tausendfach achtlos an dem vorübergehen, was Natur und Kultur an Schönem und Einmaligem hier für sie bereithält.

1. Sächsische Wallburg
Die für das 8. Jahrhundert belegte Wallburg, über deren Alter es bisher noch keine Gewissheit gibt, bedeckt ein etwa 14 Hektar großes Areal. An der Nordseite der Burg ist der Wall mit seinem teilweise zweifachen, vorgelagerten Wall-Graben-System besonders gut zu erkennen. An der steil abfallenden Südseite haben sich Befestigungen bisher nicht nachweisen lassen.


Wallburg Syburg 1905. Die hellen Linien bezeichnen den Wallverlauf

Hingegen ist die Wallführung im Südosten noch gut erkennbar. Der Hauptwall besteht aus einem Trockenmauerkern, der mit Erde überschüttet wurde. Vielleicht standen auf der Wallkrone Palisaden. Ungewiss ist, ob die Wallanlage als reine Fliehburg Schutz vor Angreifern bot oder ob ständig Verteidiger in ihr lebten.

2. Umwallung der Kirche
Untersuchungen am Wall im Kirchbereich machen es wahrscheinlich, dass dieser Wallteil von den fränkischen Erbauern der Kirche angelegt oder erneuert wurde.

3. Mittelwall
Deutlich erkennbar zieht sich mitten über den Burgberg, entlang des heutigen Parkplatzes, ein gradlinig verlaufender Wall, der die Bergkrone gegen das abfallende Gelände sperrt. Dieser Wall, der einen vorgelagerten Graben hatte, wurde als Vorwehr zur mittelalterlichen Burg angelegt.

4. Kammertor
Einlass in den Burgbereich fand man im Mittelalter durch ein aus Ruhrsandstein erbautes Kammertor, das burgseitig und landseitig jeweils eine Sperrvorrichtung hatte. So entstand eine Kammer, die es in Zeiten der Gefahr ermöglichte, dass beim Betreten oder Verlassen der Burg jeweils ein Tor oder ein heruntergelassenes Gitter die Burg sicherte. Bodenbefunde lassen vermuten, dass vor dem Tor eine Zugbrücke über den Graben führte. Ein mit Steinplatten belegter, in östliche Richtung führender Weg war ebenfalls noch nachweisbar.

5. Kirche und Kirchhof
Die Vorgängerin der heutigen evangelischen Kirche St. Peter, die offenbar von den Franken gleich nach Eroberung der Burg angelegt worden war, tritt schon 776 in das Licht der Geschichte, wenn wir in einem fränkischen Jahrbuch erfahren, dass die Sachsen bei dem Versuch, die Sigiburg zurückzuerobern durch ein "Flammenwunder" vertrieben wurden. Der Annalist berichtet: "Und als sie den Kampf beginnen wollten gegen die Christen in der Burg, ward die Glorie Gottes vor den Augen derer draußen sowohl, als auch derer drinnen... über der Kirche, die in der Burganlage steht, offenbar. Und sie erzählen, wie sie es in Gestalt zweier Schilde hätten flammen und über der Kirche sich bewegen sehen. Als die Heiden dieses Zeichen erblickten, kam Verwirrung und große Furcht über sie, so dass sie begannen, zu ihrem Lager zu fliehen... und... einander töteten."

  Eine spätere Überlieferung schreibt die Weihe der Kirche, dem vor den aufständischen Römern zu Karl dem Großen geflohenen, Papst Leo III. zu, der sie 799 vollzogen haben soll. - Zahlreiche Reliquien, unter ihnen ein silbernes Kopfreliquiar der heiligen Barbara, zogen Pilger an. Seit 1253 erlaubte eine päpstliche Bulle die Ablasserteilung in der Kirche. Am St.-Markus-Tag, dem 26.4., fand im Mittelalter eine Wallfahrt nach Syburg statt. Die Wallfahrt des Jahres 1297 ist den Dortmundern in unauslöschlicher Erinnerung geblieben, da die Stadt an diesem Tage so vollständig abbrannte, dass man vom Markt aus durch die Stadttore hindurchsehen konnte. - Der heutige Bau der Kirche wurde erst um 1100 in der Form einer Wehrkiche errichtet. Ende des 12. Jahrhunderts mag dann der Westturm an das Gebäude angebaut worden sein. Seit dem letzten Drittel des 16. Jahrhunderts gehörte die Kirche der reformierten Konfession zu, die die Zeugnisse des katholischen Glaubens entfernte. 1673 wurde die Kirche im Zuge der französischen Kriege zerstört und 1688 errichtete man den Chor im gotischen Stil neu. 1945 wurde das Langhaus der Kirche durch eine Fliegerbombe fast völlig zerstört. Der Wiederaufbau der Jahre 1953/54 lässt den Charakter der Wehrkirche nicht mehr erkennen. - Der Kirchhof war bis 1820 der einzige Friedhof des Reichshofes Westhofen und wurde noch bis 1880 genutzt. Heute befinden sich auf dem Friedhof und in der Kirche noch 210 Grabsteine, die ältesten können der karolingischen Zeit zugerechnet werden und dokumentieren so die über tausendjährige Geschichte des Friedhofs.

6. Schultenhof mit Brunnen und Freigerichtsstätte
Bis ins 11. Jahrhundert zurück reicht die Geschichte des Ober- oder Schultenhofes, von dem nur der durch ein neuerstelltes Brunnenhaus geschützte, 1984 wiederentdeckte Brunnen zu sehen ist, der noch heute ein angenehm zu trinkendes, weiches Wasser führt. Mit dem Schultenhof begann auch die gastronomische Tradition auf der Hohensyburg. Bereits 1850 betrieb Hermann Heinrich Schulte auf dem Hof eine Gastwirtschaft. Als 1886 der Schultenhof abbrannte, errichtete man den Hof als Gastwirtschaft mit landwirtschaftlichen Nebengebäuden auf dem Gelände der heutigen Spielbank neu. Hinter dem Brunnen auf einer Erhöhung im Mittelwall und vor einem schwachen Rund der Trockenmauer befand sich eine Freigerichtsstätte, ein Femegericht. Erst 1955 fiel der steinerne Gerichtstisch und die dazugehörige Bank ebenso dem Abriss zum Opfer wie das Fachwerkhaus des Schultenhofes.

7. Mittelalterliche Burgruine
Der Burgbau der mittelalterlichen Anlage auf dem Syberg wird - etwa gleichzeitig mit der Anlage der Kirche - für die Zeit um 1100 angenommen. Die Herren von Sieberg mögen Reichsleute gewesen sein, die primär die Aufgabe hatten, den Ruhrübergang beim Reichshof Westhofen zu sichern. Der Wegezoll, den sie dabei einnahmen, fand noch bis zum Jahre 1929 eine späte Fortsetzung, bis der Brückenpfennig endlich abgeschafft wurde.

  Dass, wie anderer Reichsbesitz in dieser Gegend, auch der Reichshof Westhofen ständig zum Pfandobjekt für den Erzbischof von Köln und den Grafen von der Mark wurde, schwächte die Stellung der Sieberger. Sie behinderten wahrscheinlich die Grafen von der Mark wegen des Wegegeldes, das die Märker immer dann zu entrichten hatten, wenn sie von ihrem Stammsitz, der Burg Mark bei Hamm, um in ihre westlich gelegenen Grafschaftsgebiete zu gelangen, die Ruhr überqueren mussten. 1287 wurde die Burg durch den Grafen Eberhard von der Mark teilweise zerstört.

  Die Sieberger nahmen Wohnung auf Haus Busch im heutigen Hagen-Kabel. Noch auf Jahrzehnte von den Kölner Erzbischöfen angefochten, ging im Jahre 1300 der Reichshof Westhofen als Reichslehen an die Grafen von der Mark, die damit auch die Sieberger Burg erwarben. - Im 17. Jahrhundert erbten die Brandenburger Kurfürsten und späteren preußischen Könige den Besitz, der formal erst 1806 seine Reichsunmittelbarkeit verlor. - Leicht lassen sich am Gemäuer des Wohngebäudes der Burg, die einmal ähnlich der abgebildeten Rekonstruktion ausgesehen haben mag, unterschiedliche Bauperioden erkennen. Wahrscheinlich rühren sie von einem Wiederaufbau her, denn die Grafen von der Mark ließen die Burg später von Vasallen (Gefolgsleuten) besetzen und bewirtschaften. So wurde 1496 Gerd Spee zum Burggrafen unter der Bedingung ernannt, dass er die "borch to Sybergh bewoenen" solle. - Heute befindet sich im Palas der Burg ein von Prof. Bagdons entworfenes, aus Syburger Ruhrsandstein gearbeitetes Kriegerdenkmal aus dem Jahre 1930.

8. Vincke-Turm
  Der achteckige, 20 Meter hohe Aussichtsturm wurde 1857 auf dem heute höchsten Punkt des Syberges zu Ehren des Freiherrn Ludwig von Vincke erbaut. Die Abbildung zeigt eine Zeichnung um 1900. Vincke, der 1774 geboren wurde und 1844 starb, hatte sich große Ehren als Oberpräsident der Provinz Westfalen beim Aufbau des Landes nach der französischen Herrschaft erworben, indem er vor allem das Verkehrswesen förderte. Der nach ihm benannte Turm steht auf der Stelle, die Vincke besonders gern aufsuchte, um die Aussicht über das Ruhrtal zu genießen. Durch seine Frau Eleonore Sieberg zum Busch war Vincke zum Eigentümer der mittelalterlichen Burgruine geworden.

9. Ehemalige Zisterne
Der Einschnitt in den Syberg rührt in seinem südlichen Teil von einem im 19. Jahrhundert betriebenen Steinbruch her. Der nördliche Teil ist der Rest einer ehemaligen Zisterne, die die Wasserversorgung der Burg sichern sollte. Auf dem Zisternengrund befindet sich eine Quelle. Fünf aus dem Fels gehauene Stufen führen zu einem ebenfalls aus dem Gestein gearbeiteten Becken. Seit 1983 ist die Quelle mit Bauschutt überdeckt.

10. Kaiser-Wilhelm-Denkmal

In der Zeit von 1893 bis 1902 wurde das Denkmal als monumentale Dreiturmgruppe mit reichem historistischen Bauschmuck nach einem Entwurf des Architekten Hubert Stier errichtet. Vor den Turmbauten standen die von Albert und Karl Donndorf gestalteten vier Bronzestatuen und das zentrale Reiterstandbild Kaiser Wilhems I. In den Jahren 1935/36 wurde das Denkmal wegen angeblicher Baufälligkeit stark verändert.

Kaiser-Wilhelm-Denkmal vor dem Umbau


Man entfernte die Bronzeadler und Eisernen Kreuze und trug die flankierenden Turmbauten ab. Die Statuen des 99-Tage-Kaisers Friedrichs III. und des Armeeführers, des Prinzen Friedrich Karl von Preußen, wurden entfernt und die Standbilder des Reichsgründers und Kanzlers Otto von Bismarck - im Osten - und des preußischen Generalfeldmarschalls Hellmuth von Moltke - im Westen - vor die seitlichen Nischen des Hauptturmes versetzt.


Kaiser-Wilhelm-Denkmal 1997

Die Umgestaltung ersetzte die Lebensdaten Wilhelms I. durch das Gründungsdatum des Deutschen Kaiserreiches: 18. Januar 1871. - Auch die ursprüngliche Widmungstafel wurde ausgetauscht. Die Inschrift der neuen Tafel verwies auf Adolf Hitler. Damit war das Denkmal, das ursprünglich eine Huldigung der Bürger der Grafschaft Mark an den Kaiser sein sollte, zum Reichsdenkmal umgestaltet. Im Volksmund wurde das so purifizierte Monument wegen seiner Ähnlichkeit mit einer vielgesehenen Putzmittelverpackung als "Atadose" bezeichnet.

11. "Kloster" und Petersbrunnen
Das kleine Fachwerkhaus, das auf einem sehr alten Karbonschiefersockel steht, und im Volksmund "Klösterchen" genannt wird, ist wohl das älteste Wohnhaus Syburgs. Der Überlieferung nach diente es in der vorreformatorischen Zeit Mönchen aus Soest und Paderborn als Wohnung, die wahrscheinlich die Aufgabe hatten, wandernde Pilger zu betreuen. 


"Kloster" 1908

Auf der Syburg soll Papst Leo III. bei seinem Besuch 799 einen Petersbrunnen geweiht haben. Eine solche Weihe lässt an ein christianisiertes früheres Quellheiligtum denken. Die heute als Petersbrunnen bezeichnete Anlage mit ihrem aus dem Fels gehauenen Wasserbecken erhält ihr Wasser sekundär aus einem nebenliegenden Brunnen und kann so wohl nicht als die ursprüngliche Wallfahrtsstation gelten.

12. Trasse der ehemaligen Bergbahn
Von der 1903 errichteten Bergbahn sind nur noch Trasse und Brücke erhalten. Die Bergbahn verkehrte von der Gaststätte "Haus Weitkamp" als Talstation bis zur Kopfstation, der früheren "Burgwirtschaft", die auf dem Gelände der heutigen Spielbank lag und Sitzplätze für 3000 Gäste bereithielt. Die Talstation war zugleich Endstation der Straßenbahn von Hörde nach Schwerte und Westhofen und band so die Hohensyburg an das öffentliche Verkehrsnetz an.


Seilzugbahn auf der Strecke


13. Freilichtbühne
Die 1952 errichtete, idyllisch gelegene Naturbühne Hohensyburg bietet 800 Zuschauern Platz. Etwa 160 ehrenamtliche Laienschauspieler sorgen unter professioneller Leitung für ein anspruchsvolles Theaterangebot.

14. Campingplatz
Oberhalb des Zusammenflusses von Ruhr und Lenne liegt der Campingplatz Hohensyburg. Der modern ausgestattete Platz wird gern als Ausgangspunkt für Fuß- und Radwanderungen gewählt, die entlang der Ruhr und der Lenne auf modernen Wegen unternommen werden können. Wassersportler finden von hier aus Zugang zu den Ruhrseen.

15. Spielbank Hohensyburg
Die 1985 eröffnete Spielbank ist derzeit die umsatzstärkste in der Bundesrepublik. Neben dem "Großen Spiel": Roulette, Black Jack und Baccara, für das ein 1200 Quadratmeter großer Spielsaal zur Verfügung steht, werden auch Automatenspiele angeboten. Eine aufwendige Gastronomie sorgt für das leibliche Wohl der Spieler und der Besucher der vielen Veranstaltungen, die im Bereiche der Spielbank durchgeführt werden. Wer den hier beschriebenen Rundweg um einen Ausflug in die frühe Geschichte des Ruhrbergbaus erweitern möchte, kann den Weg zwischen Mittelwall und Kaiser-Wilhelm-Denkmal in westlicher Richtung verlassen und der Beschilderung "Syburger Bergbauweg" oder der SGV-Markierung A1 folgen.